Erdogan möchte einen Kanal

WELT online: Der türkische Präsident plant einen Kanal durch Istanbul. Mit diesem zweiten, künstlichen Bosporus könnte Erdogan einen Vertrag umgehen, der seit über 80 Jahren das militärische Gleichgewicht im Schwarzen Meer regelt.

Ob dieser Kanal tatsächlich großen militärischen Nutzen bringt scheint mir zweifelhaft. Auch wirtschaftlich scheint der Nutzen gering.

Nach meinem Eindruck ist der Durchgangsschiffsverkehr auf dem Bosporus eher mäßig. Wirtschaftlich macht das Projekt vermutlich daher nicht viel Sinn. Es werden aber Arbeitsplätze geschaffen. Istanbul – derzeit für die AKP verloren – wird sich dankbar an Erdogan erinnern und die nächste Wahl geht wieder an seine Partei.

Das scheint mir aber nur ein Grund für das riesige Bauvorhaben. Der andere Gund ist ein Historischer. Jeder Türke weiß, was mit der Idee verbunden ist: „Schiffe über den Berg zu tragen“. Mehmet II Fatih hat auf diese Weise Konstantinopel erobert. Der „Goldene Apfel“ ging endlich – nach 21 erfolglosen Versuchen – an die Osmanen. Schon Mohammed, der Gesandte Gottes, hatte davon geträumt die glorreiche Stadt unter dem Banner Allahs zu sehen.

Vor einem Jahr wurde die größte Moschee der Türkei in Istanbul eröffnet. Die Minarette recken sich 107,1 m in den Himmel. Dieses Baudetail hatte Erdogans Gefallen gefunden. 1071 schlugen die nomadischen Reiterstämme – die Ahnen der Türken – die byzantinische Armee in Ostanatolien bei Manzikert. Kleinasien stand offen. Der Islam konnte einziehen. Erneut – so die Botschaft – wird der goldene Apfel fallen. Einst Manzikert, dann Konstantinopel, schließlich Kerneuropa. Europa ist in den Augen Erdogans und vieler seiner Mitbürger überreif. Wie einst vor dem Fall der Mauern das 1000 jährige Konstantinopel: reich, träge, moralisch verkommen – von Memmen und Weibern geführt.

Eine Frage und keine Antwort

Verleihung der Ehrendoktorwürde an Frau Dr. Merkel.

Uni Bern, 3. Sept. 2015

ab Minute 47

Eine Teilnehmerin stellt Frau Merkel am Ende des Gesprächs die Frage:
„Sie haben gesagt, dass wir eine Verantwortung für diese Flüchtlinge haben.
Eine der Verantwortungen ist es aber auch uns hier in Europa zu schützen.
Es kommen jetzt noch mehr Leute mit islamischem Hintergrund.
Das bedeutet auch eine große Angst in Europa vor Islamisierung, die immer mehr stattfindet.
Wie wollen sie uns in Europa und unsere Kultur schützen?

Frau Merkel antwortet:

1. Der islamistische Terror sind Erscheinungen, die wir ganz stark in Syrien haben, im Irak haben, aber dazu hat die EU eine Vielzahl von Kämpfern beigetragen. Wir können also nicht sagen, damit haben wir nichts zu tun, denn das sind ja Menschen, die in Europa aufgewachsen sind, wo wir auch unseren Beitrag leisten.

2. Angst war noch nie ein guter Ratgeber, im persönlichen Leben nicht und im gesellschaftlichen Leben nicht. Kulturen und Gesellschaften, die von Angst geprägt sind, werden mit Sicherheit die Zukunft nicht meistern.

3. Wir haben diese Debatte auch, dass wir sehr viele Muslime in Deutschland haben. Wir haben die Debatte darüber, ob der Islam zu Deutschland gehört. Wenn man 4 Millionen Muslime hab braucht man, finde ich, nicht darüber zu streiten, ob jetzt die Muslime zu Deutschland gehören und der Islam nicht oder, oder ob der Islam auch zu Deutschland gehört. und da gibt es auch diese Sorgen. Wir haben doch alle Chancen und alle Freiheiten uns zu unserer Religion, sofern wir an sie glauben und sie ausüben, zu bekennen. Und wenn ich etwas vermisse, dann ist es nicht, dass ich jemand vorwerfe, dass er sich zu seinem muslimischen Glauben bekennt, dann haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind, dann haben wir doch den Mut zu sagen, dass wir da in einen Dialog eintreten. Dann haben wir doch dann auch bitteschön die Tradition mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein und vielleicht auch mal ein Bild in der Kirche erklären zu können und wenn sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, dann würd ich mal sagen,  ist die Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her. Und sich dann anschließend zu beklagen, dass sich Muslime im Koran besser auskennen, das find ich irgendwie komisch.

Und vielleicht kann uns diese Debatte auch mal wieder dazu führen, dass wir uns mit unseren eigenen Wurzeln befassen und ein bisschen mehr Kenntnis darüber haben. Und insofern finde ich diese Debatte sehr defensiv. Gegen terroristische Gefahren muss man sich wappnen und ansonsten ist die europäische Geschichte so reich an so dramatischen und gruseligen Auseinandersetzungen, dass wir sehr vorsichtig sein sollten uns sofort zu beklagen, wenn woanders was Schlimmes passiert. Wir müssen angehen dagegen, wir müssen versuchen das zu bekämpfen.

4. Aber wir haben nun überhaupt keinen Grund auch zu größerem Hochmut muss ich sagen. Das sage ich jetzt als deutsche Bundeskanzlerin.

Anmerkungen

Zu 1: Zunächst nennt Merkel die Sache beim Namen: „islamistischer Terror“. „Wir“ „haben“ diesen Terror (in Nahost). Klingt so als hätten wir wie einen Schnupfen oder einen verregneten Sommer. Dennoch sind wir daran beteiligt und zwar aktiv: „wir in Europa leisten in Form von Kämpfern unseren Beitrag“. Dass sich die Kämpfer in Europa in staatlich geförderten Moscheen mit der Ideologie des Terrors infiziert haben, dass diese Ideologie eng mit einer Weltreligion verbunden ist, verschwindet nach zwei Merkelsätzen im Sprachnebel.

Zu 2: Merkel stellt die Diagnose: „Angst ist“ (man müsste hinzusetzen in manchen Situationen) „schädlich“. Angst ist ein Gefühl. Daher kann „Angst“ auch kein „Ratgeber“ sein. Sie drückt damit die Fragestellerin ein wenig ins Abseits: Sie nämlich lässt sich von Gefühlen leiten. Alle die so fühlen „werden mit Sicherheit die Zukunft nicht meistern.“ Eine bizarre Diagnose die sie möglichst weitläufig in „Kulturen und Gesellschaften“ verortet. Widerworte haben ab jetzt das Stigma: „nicht zukunftsfähig“.

Zu 3: Nun hat Merkel freie Bahn und gestaltet das Thema nach ihrem Gusto: mangelnde Kulturkenntnis der Deutschen. Hier kann sie frei sinnieren und bewegt sich auf sicherem Gleis: „lasst uns doch wieder mal in den Gottesdienst gehen, könnt ihr überhaupt ein Bild in der Kirche erklären, was ist Pfingsten“. Die abgetrennten Köpfe, die Versklavungen, die Attentate… weit, weit weg. Es fehlt wenig und die Studenten nehmen sich an der Hand und singen „wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt…“. Was kann eine Politikerin, die ohne Rücksprache mit den europäischen Partnern die Grenze für zwei Millionen Herkommende vor wenigen Tagen geöffnet mehr erreichen? Grandios.

Und jetzt – vom gesicherten Terrain aus – kann sie den Blick zu den „Gefahren“ wenden, die jetzt aber keine Konkretisierung wie „islamistisch“ mehr erhalten. Als ginge es in einem Gottesdienst um die Anmutungen des Fleisches muss „man“ sich “wappnen“ UND “und ansonsten ist die europäische Geschichte so reich an dramatischen und gruseligen Auseinandersetzungen“! Was hat die europäische Geschichte mit Gefahren zu tun, vor denen uns heute und jetzt unsere Kanzlerin schützen soll, nein muss? Wie kann sie überhaupt diesen Zusammenhang herstellen? Unkonkrete Begriffe und ad hoc Querverweise zur (vermutlich deutschen) Geschichte werden schnell gewoben. Jeder innerer Widerspruch verheddert sich im Nebulösen. Gleichzeitig ist die Vortragsweise sedierend.

„Wir müssen angehen dagegen…“. Gegen was „wir“ angehen müssen, hat sich inzwischen verflüchtigt. Was es immer auch sei, das anschließende Substantiv, das ihr dazu einfällt wirkt psychisch delokalisiert, jedenfalls bizarr. „Wir haben keinen Grund zu größerem Hochmut!“ Ein denkerischer Salto, ein Begriff der in jedem politischen Kontext von vornherein fehl am Platz ist. Plötzlich betritt man einen sakralen Raum von Schuld und Sühne. Hier werden keine Probleme mehr gelöst, sondern wir kasteien uns gemeinsam mit der Kanzlerin vor dem unheilvollen Spiegel der deutschen Geschichte. Das ist so grandios wie gaga.

Sollte ein Zuhörer noch nicht durch ein geistiges Nirwana schweben und sich fragen, ob wir vielleicht Grund zu Hochmut, aber nicht zu „größerem Hochmut“haben, setzt Merkel den Schlussakkord. Nachdem sie der Frage – auf deren Antwort bis heute ein ganzer Kontinent wartet – alle konkreten Konturen genommen hat, nachdem sie nichts zu der Frage: „wie wollen sie uns und unsere Kultur schützen“ gesagt hat, beschließt sie die „Debatte“ mit dem einzigen konkreten Satz. „Das sag ich jetzt als deutsche Bundeskanzlerin.“

Eine mächtige Göttin

Der Sommer ist vorbei und da steht Kultur auf dem Programm. Leider nicht nur bei mir. Gestern an der Abendkasse standen noch andere Leute herum in der Hoffnung noch eine Karte für die Theater-Aufführung zu bekommen. Nur wenige hatten Glück.

Eine Dame – Typ weltoffen und bunt – ging ebenfalls leer aus. Wir kamen kurz ins Gespräch, weil ich meinte, dass es schade sei, dass wir kein Ticket mehr bekommen haben. Sie sagte, dass sie gewusst hätte, dass die Vorstellung ausverkauft sei, aber sie habe auf die Rückgabe einer vorbestellten Karte gehofft, denn: „Der Zufall ist eine mächtige Göttin!“

Ich war beeindruckt. Dem profanen, lichtscheuen, gestaltlosen, unverständlichen Zufall wurde hier ein wundervoll neuer Anstrich verliehen: machtvoll und Göttin! Warum sind da nicht die alten Griechen draufgekommen! Was hätte man für reizvolle Statuen für die Göttin klopfen können! Oder die Ägypter? Der Zufall als Mischwesen zwischen Krokodil und Isis! Die Hindus leben noch im Götterhimmel, könnte man nicht „Zufall“ neben Durga oder Kali ansiedeln, mit vielen Armen herumwedelnd:  in einer Hand ein Schweinchen, in der anderen ein Theaterticket, in der nächsten ein zerdrücktes Auto, dann wieder eine Flutwelle mit lauter Ertrinkenden?

Schade, ist keiner – außer die Dame vorm Theater – bisher draufgekommen! Liegt vielleicht daran, dass sich Religion und Zufall ausschließen? Denn wo es Gott und Götter gibt ist alles gewollt und gesollt. Für Zufall ist kein Platz. Zufall ist dort, wo es keinen Handlungsstrang von ganz oben gibt. Alle Geschehnisse liegen in Gottes oder in der Götter Hand. Allem liegt ein Plan eine tiefere Bedeutung zu Grunde. Zufall und Plan schließen einander aus. Sie können nicht miteinander. Zudem ist es DER Zufall, also wäre richtiger zu sagen: „Der allmächtige Zufallsgott hat wieder zugeschlagen!“Aber dann merkt natürlicher jeder sofort, dass mit dem Inhalt irgend was nicht stimmt und es fehlt der Charme einer Göttin, die sich anschmiegt und diejenige belohnt, die ihr huldigt. Und es hört sich auf jeden Fall geheimnisvoller an, irgendetwas von einer Göttin zu faseln, anstatt: „Blöder Mist, Pech gehabt!“

Jedenfalls – Zufall oder nicht – wir beide gingen leer aus: die mit der Göttin im Bunde stehende Dame und der unbedarfte Kunstsucher.

Think for yourself – die Verkündigung

Eine blonde Frau läuft mit ihrer kleinen blonden Tochter eine Büropassage entlang. Man sieht keine weiteren Passanten nur kurz einen jungen Anzugträger und dann einen Mann mit langem dunklem Gewand und einer auffällig großen schwarzen Tasche, der überhaupt nicht in die Gegend passt. Die Frau mit Tochter läuft ein Stück parallel zu dem Mann in unverkennbarer muslimischer Kleidung.  Auf die schwarze Tasche des Mannes wird gezoomt, dann wieder auf das Gesicht der Frau. In der Mimik der Frau spiegelt sich Furcht und Besorgnis. Als sie ihren Kopf wendet, sieht sie einen Mercedes aus dem drei Personen springen, die entschlossen von hinten auf den Mann zu rennen.

Dieser hat noch nichts gemerkt und läuft seelenruhig weiter. Die Frau bleibt stehen und zieht ihre Tochter zum Schutz eng an sich. Gleich haben die Verfolger – eine Hetzjagd? – den Mann eingeholt, als die Kamera auf einen Kollegen der drei Verfolger – erkennbar an einer roten Binde – schwenkt, der einem Mann zu Boden drückt. Es ist der Anzugträger. Die anderen haben diesen nun ebenfalls erreicht. Sie ziehen mehre Tüten von Koks aus seinem Anzug. Über Funk geben sie ihren Coup an die Polizeizentrale weiter.

Die blonde Frau hat atemlos den Zugriff verfolgt, als ihre Tochter sie an der Hand zieht und auf den Muslim deutet. Dieser hat inzwischen seine Tasche geöffnet und bereits ein Kinderfahrrad auseinandergebaut, das seine kleine Tochter strahlend entgegennimmt. Der kleine Sohn wird auf die Schulter des Mannes gesetzt, ein Umhang, der mutmaßlich die Mutter darstellt, ist nur von weitem zu sehen, es soll keine Fremdheit aufkommen, denn in der letzten Sequenz scheint die blonde Tochter zu sagen: „Guck mal, was für ein lieber Papa“! Die Familie aus dem Morgenland läuft glücklich in den Tag, als die Botschaft erscheint: „Think for yourself!“ Die Frau und mit ihr der Zuschauer bleiben beschämt zurück, denn man merkt, wie man die Klischees vom bösen fanatischen Islamisten tief in sich trägt!

Maren Ueland

Maren Ueland ist bzw. war eine norwegische Studentin. Sie ist mit einer Freundin nach Marokko gefahren um dort in den Atlas Bergen zu wandern. Unweit von Marrakesch haben sie am 18.12. im Zelt übernachtet. Am nächsten Morgen wurden sie tot aufgefunden.

„Auf die zwei Opfer sei eingestochen, ihre Kehlen seien durchgeschnitten worden“, erklärt der Leiter von Marokkos zentraler Ermittlungsbehörde. „Dann seien sie enthauptet worden.“

Die genaue Anzahl der Beteiligten ist im Moment noch unklar. Ein Video wurde ins Netz geladen, worauf zu sehen ist, wie einer jungen Frau der Kopf abgesäbelt wird. Die Männer, die sich ganz offen dieser Tat rühmen heißen: Rachid Afatti, Ouziad Younes and Ejjoud Abdessamad.

Mörder Maren

Maren Ueland hat das professionell gemachte Video „Think for yourself!“ der britischen Guppierung Dawah (Verkündigung) Film UK auf ihrer Facebook Seite geteilt. Offensichtlich konnte sie sich in der Botschaft dieses Films wiederfinden. Die Gesichter ihrer Mörder sehen dem netten Vater im Film zum Verwechseln ähnlich.

Würde man heute sagen, sie hat die Botschaft falsch verstanden: ein Mann kann sehr nett zu seinen Kindern sein, für andere aber puren Hass empfinden?

Hätte der Film einen SS Mann gezeigt – die Dame mit Kind wäre dann eine Jüdin oder eine Roma gewesen, – würde man dann von einer Verharmlosung des Nationalsozialismus sprechen?

Und wenn die Propagandaabteilung der Nazis diesen Film selbst produziert und weiterverbreitet hätte (über 1 Millionen Klicks auf Youtube https://www.youtube.com/watch?v=XPyPM25boh0) würde man sich dann fühlen, als hätte man in einen Abgrund menschlicher Bösartigkeit geblickt?

Die Nazimörder waren nette Familienväter, kultiviert und mit Manieren. Und sie waren Gläubige einer Ideologie, die Menschen anderer Rasse, als minderwertig ansah. Auch die Mörder von Maren begründen ihrer Tat mit heroischen Motiven. Man tausche nur Kalif = Führer, Al-Bagdadi = Adolf Hitler, Sache Gottes = deutsches Volk, und Muslime = Arier. Sie begründen ihre Tat mit folgenden Worten: „Wir sagen dem Kalifen der Muslime (Al-Bagdadi), dass du im Maghreb Soldaten hast, deren Zahl nur Gott kennt. Sie sind entschlossen, die Sache Gottes aufrechtzuerhalten und die Ehre der Muslime zu verteidigen.“

Würde Maren und ihre Freundin noch leben, wenn sie das Machwerk von „Dawah UK Films“ nie gesehen hätte?

 

Filmkritik

The Ballad of Buster Scruggs

heißt ein Film der Coen Brüder, der auf Netflix zu sehen ist. Welche Wohltat einen Film zu sehen, der ohne die moralischen Belehrungen des deutschen Fernsehens auskommt. In verschiedenen Episoden wird ein „Wilder Westen“ gezeigt, der die Menschen hart und unsentimental macht. Die Coen Brüder mixen noch eine Prise von Surrealität hinzu, welches die gezeigten Geschichten ins Märchenhafte und somit aus dem bloßen zeitverhaftet sein heraushebt. Kurzum berührend, unterhaltend, sehenswert.

Und das deutsche Fernsehen?

Am vergangenen Sonntag die letzten 30 Minuten vom Tatort in der ARD gesehen. Die Ermittlerin war Lena Odenthal aus Ludwigshafen, der Titel: „Vom Himmel hoch“.

Die Story: eine blonde Soldatin aus Deutschland musste Einsätze als Drohnenpilotin fliegen und leidet nun an den psychischen Folgen, weil vielleicht kleine Kinder umgekommen waren. Deshalb möchte sie sich an ihrem Vorgesetzten einem US-General rächen. Gleichzeitig befinden sich in Ludwigshafen auch zwei Männer aus dem Irak, die – mittels einer kleinen Spielzeugdrohne – einen Anschlag ausführen wollen. Dabei soll aber niemand in echt zu Schaden kommen, denn die beiden, mit Pudelmütze gekleidet, sind wirklich sehr nett. Sie erklären in einem Bekennervideo ausführlich, dass ihnen das wirklich leidtut, aber niemand hat bisher ihre schlimme Geschichte angehört, und daher sind sie gezwungen mit einer letztendlich gewaltfreien Tat auf sich aufmerksam zu machen. Man möchte die beiden, mit ihrem akzentfreien Deutsch sofort unterhaken und ein Bierchen trinken gehen. Leider geht ihr naiver Plan schief – schließlich wird das gesamte SEK mit Hubschraubern und schwarz gekleideten Einsatzkräften aufgeboten – um die beiden armen Flüchtlinge in Haft zu nehmen.

Unser Soldaten-Weibchen ist von anderem Kaliber! Sie schafft es in das 5 Sterne Hotel, in dem sich der US General vor seiner Abreise noch mit Teilen der deutschen Regierung trifft. Er schüttelt einem hochgewachsenen graumelierten deutschen Verteidigungsminister die Hand, während sich das Schicksal in Form der traumatisierten Soldatin schon über ihm zusammenzieht, denn die hat sich inzwischen auch eine Pistole besorgt. Zum Glück schafft es die Odenthal rechtzeitig in das Hotel und liquidiert die Kämpferin – nicht ohne, dass durch den Kopf der Sterbenden nochmals Bilder von digitalisierten Drohnenangriffen zucken, – so dass auch der allerletzte Zuschauer und selbst die Odenthal kapieren, dass die wahrhaft Schuldigen das US-Militär und der deutsche Verteidigungsminister sind, die sich schon wieder bequem in ihren Hotelsesseln rekeln.

Die Darsteller von US-General, dem Verteidigungsminister, der gesamte militärische Stab: männlich, weiß, alt, aalglatt, die Verkörperung des absolut Bösen auf diesem Planeten, so wie sich offensichtlich für ARD und ZDF die Welt aktuell anfühlt.

Halbzeit

Halbzeit der Regierung in B-W. Der Ministerpräsident und der Innenminister touren durch das Ländle und loben ihre bisherige Regierungsarbeit.

Im Podiumsgespräch wird vom Moderator die Gruppenvergewaltigung in Freiburg angesprochen. Herr Kretschmann zeigt Emotion: „Das geht gar nicht! Die ersten die sich empört haben, waren die Flüchtlinge selbst! Sie haben die Tat scharf verurteilt, und jetzt wird mit Fingern auf sie gezeigt!

Von dieser Verurteilung hat man in der Öffentlichkeit nichts mitbekommen, aber der rhetorische Trick des Landesvaters ist meisterhaft! Das Mitleid, die Solidarität, die eigentlich der jungen Frau zukommen müsste, die von 10 Männern missbraucht wurde, wendet sich im Saal direkt den „Syrern“ zu – den vielen anständigen Männern, die einfach Schutz suchen und jetzt von übel gesinnten Zeitgenossen für die Tat mitverantwortlich gemacht werden.

Die Tat wird von Kretschmann eindeutig verurteilt. Die Täter indes sind junge Burschen, denen ein dummer Jungenstreich ein wenig aus dem Ruder gelaufen ist. So drückt es Kretschmann nicht direkt aus, es schwingt aber mit, wenn er sagt, dass junge Männer mitunter straffällig werden, „weil das sei eben der Gruppendruck, da machen manche dumme Dinge aus der Gruppe heraus.

Deshalb – und dafür sei er scharf angegriffen worden – hätte er gesagt man müsse die Täter „in die Pampa schicken“. Während ich noch überlege, ob es nicht „in die Wüste schicken“ heißen müsste, stellt er die Sache klar: Pampa ist B-W! Auf dem Dorf irgendwo. Dann können die jungen Männer nicht mehr so viel Unsinn machen.

In Mannheim habe das bestens funktioniert. Dort hätte eine Gruppe von jungen Männern, „die ganze Stadt terrorisiert!“, dann habe man diese Männer auf das ländliche B-W verteilt und inzwischen herrschen in Mannheim wieder Sicherheit und Ordnung.

Für diesen entschlossenen Umgang mit Kriminalität und Gewalt bekommen der Ministerpräsident und sein Innenminister ehrlichen und herzlichen Beifall der Bruchsaler Bürger. Man schämt sich fast für den Gedanken, dass weder die Mannheimer noch die Freiburger „jungen Männer“ eigentlich gar nicht bei uns im Lande hätten sein dürfen, und dass nach über 1000 angezeigten Straftaten allein in Mannheim die Antwort des Staates doch ein wenig kleinlaut anmutet.

Aber gut, das ist Grün/Schwarz. Das ist vom Wähler so gewollt. Ob das die Opfer auch wollen, wissen wir nicht.

Und wirklich deplatziert – nah am Rassismus – ist der Gedanke, dass es in Syrien keine Disco gibt, in der sich eine Syrerin von einem Unbekannten – gar einem Nichtsyrer – ansprechen lässt, sich von ihm einen Drink bezahlen lässt und dann mit ihm – willentlich oder unter Droge – die Disco verlässt! In Syrien nicht, in Ägypten nicht, in der Türkei nicht, im Irak nicht. Niemals in Afghanistan, Pakistan, Marokko, Tunesien, Algerien. Ein solcher Kontaktversuch zwischen den Geschlechtern ist nicht mit dem sittlichen Empfinden der dortigen vorherrschenden Religion zu vereinbaren. Die Sanktion der Dame gegenüber wäre unmissverständlich und endgültig.

Das ist eben das Bunte an der Vielfalt, dass sie außerhalb Europas nicht praktiziert wird, während bei uns im Land immer mehr Teilhabe erfahren.

Im Anschluss an das moderierte Gespräch wurden im Foyer Weine aus hiesiger Lage und warmes Salzgebäck gereicht. Hier konnte man auf persönlicher Ebene das Gespräch mit unserem MP und dem Innenminister führen und dann unbeschwert durch die Nacht nach Hause fahren. Bruchsal – so wurde noch während des Podiumsgesprächs unmissverständlich dargelegt – zählt in der Landeshauptstadt nicht zur Pampa.