Filmkritik

The Ballad of Buster Scruggs

heißt ein Film der Coen Brüder, der auf Netflix zu sehen ist. Welche Wohltat einen Film zu sehen, der ohne die moralischen Belehrungen des deutschen Fernsehens auskommt. In verschiedenen Episoden wird ein „Wilder Westen“ gezeigt, der die Menschen hart und unsentimental macht. Die Coen Brüder mixen noch eine Prise von Surrealität hinzu, welches die gezeigten Geschichten ins Märchenhafte und somit aus dem bloßen zeitverhaftet sein heraushebt. Kurzum berührend, unterhaltend, sehenswert.

Und das deutsche Fernsehen?

Am vergangenen Sonntag die letzten 30 Minuten vom Tatort in der ARD gesehen. Die Ermittlerin war Lena Odenthal aus Ludwigshafen, der Titel: „Vom Himmel hoch“.

Die Story: eine blonde Soldatin aus Deutschland musste Einsätze als Drohnenpilotin fliegen und leidet nun an den psychischen Folgen, weil vielleicht kleine Kinder umgekommen waren. Deshalb möchte sie sich an ihrem Vorgesetzten einem US-General rächen. Gleichzeitig befinden sich in Ludwigshafen auch zwei Männer aus dem Irak, die – mittels einer kleinen Spielzeugdrohne – einen Anschlag ausführen wollen. Dabei soll aber niemand in echt zu Schaden kommen, denn die beiden, mit Pudelmütze gekleidet, sind wirklich sehr nett. Sie erklären in einem Bekennervideo ausführlich, dass ihnen das wirklich leidtut, aber niemand hat bisher ihre schlimme Geschichte angehört, und daher sind sie gezwungen mit einer letztendlich gewaltfreien Tat auf sich aufmerksam zu machen. Man möchte die beiden, mit ihrem akzentfreien Deutsch sofort unterhaken und ein Bierchen trinken gehen. Leider geht ihr naiver Plan schief – schließlich wird das gesamte SEK mit Hubschraubern und schwarz gekleideten Einsatzkräften aufgeboten – um die beiden armen Flüchtlinge in Haft zu nehmen.

Unser Soldaten-Weibchen ist von anderem Kaliber! Sie schafft es in das 5 Sterne Hotel, in dem sich der US General vor seiner Abreise noch mit Teilen der deutschen Regierung trifft. Er schüttelt einem hochgewachsenen graumelierten deutschen Verteidigungsminister die Hand, während sich das Schicksal in Form der traumatisierten Soldatin schon über ihm zusammenzieht, denn die hat sich inzwischen auch eine Pistole besorgt. Zum Glück schafft es die Odenthal rechtzeitig in das Hotel und liquidiert die Kämpferin – nicht ohne, dass durch den Kopf der Sterbenden nochmals Bilder von digitalisierten Drohnenangriffen zucken, – so dass auch der allerletzte Zuschauer und selbst die Odenthal kapieren, dass die wahrhaft Schuldigen das US-Militär und der deutsche Verteidigungsminister sind, die sich schon wieder bequem in ihren Hotelsesseln rekeln.

Die Darsteller von US-General, dem Verteidigungsminister, der gesamte militärische Stab: männlich, weiß, alt, aalglatt, die Verkörperung des absolut Bösen auf diesem Planeten, so wie sich offensichtlich für ARD und ZDF die Welt aktuell anfühlt.

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