Halbzeit

Halbzeit der Regierung in B-W. Der Ministerpräsident und der Innenminister touren durch das Ländle und loben ihre bisherige Regierungsarbeit.

Im Podiumsgespräch wird vom Moderator die Gruppenvergewaltigung in Freiburg angesprochen. Herr Kretschmann zeigt Emotion: „Das geht gar nicht! Die ersten die sich empört haben, waren die Flüchtlinge selbst! Sie haben die Tat scharf verurteilt, und jetzt wird mit Fingern auf sie gezeigt!

Von dieser Verurteilung hat man in der Öffentlichkeit nichts mitbekommen, aber der rhetorische Trick des Landesvaters ist meisterhaft! Das Mitleid, die Solidarität, die eigentlich der jungen Frau zukommen müsste, die von 10 Männern missbraucht wurde, wendet sich im Saal direkt den „Syrern“ zu – den vielen anständigen Männern, die einfach Schutz suchen und jetzt von übel gesinnten Zeitgenossen für die Tat mitverantwortlich gemacht werden.

Die Tat wird von Kretschmann eindeutig verurteilt. Die Täter indes sind junge Burschen, denen ein dummer Jungenstreich ein wenig aus dem Ruder gelaufen ist. So drückt es Kretschmann nicht direkt aus, es schwingt aber mit, wenn er sagt, dass junge Männer mitunter straffällig werden, „weil das sei eben der Gruppendruck, da machen manche dumme Dinge aus der Gruppe heraus.

Deshalb – und dafür sei er scharf angegriffen worden – hätte er gesagt man müsse die Täter „in die Pampa schicken“. Während ich noch überlege, ob es nicht „in die Wüste schicken“ heißen müsste, stellt er die Sache klar: Pampa ist B-W! Auf dem Dorf irgendwo. Dann können die jungen Männer nicht mehr so viel Unsinn machen.

In Mannheim habe das bestens funktioniert. Dort hätte eine Gruppe von jungen Männern, „die ganze Stadt terrorisiert!“, dann habe man diese Männer auf das ländliche B-W verteilt und inzwischen herrschen in Mannheim wieder Sicherheit und Ordnung.

Für diesen entschlossenen Umgang mit Kriminalität und Gewalt bekommen der Ministerpräsident und sein Innenminister ehrlichen und herzlichen Beifall der Bruchsaler Bürger. Man schämt sich fast für den Gedanken, dass weder die Mannheimer noch die Freiburger „jungen Männer“ eigentlich gar nicht bei uns im Lande hätten sein dürfen, und dass nach über 1000 angezeigten Straftaten allein in Mannheim die Antwort des Staates doch ein wenig kleinlaut anmutet.

Aber gut, das ist Grün/Schwarz. Das ist vom Wähler so gewollt. Ob das die Opfer auch wollen, wissen wir nicht.

Und wirklich deplatziert – nah am Rassismus – ist der Gedanke, dass es in Syrien keine Disco gibt, in der sich eine Syrerin von einem Unbekannten – gar einem Nichtsyrer – ansprechen lässt, sich von ihm einen Drink bezahlen lässt und dann mit ihm – willentlich oder unter Droge – die Disco verlässt! In Syrien nicht, in Ägypten nicht, in der Türkei nicht, im Irak nicht. Niemals in Afghanistan, Pakistan, Marokko, Tunesien, Algerien. Ein solcher Kontaktversuch zwischen den Geschlechtern ist nicht mit dem sittlichen Empfinden der dortigen vorherrschenden Religion zu vereinbaren. Die Sanktion der Dame gegenüber wäre unmissverständlich und endgültig.

Das ist eben das Bunte an der Vielfalt, dass sie außerhalb Europas nicht praktiziert wird, während bei uns im Land immer mehr Teilhabe erfahren.

Im Anschluss an das moderierte Gespräch wurden im Foyer Weine aus hiesiger Lage und warmes Salzgebäck gereicht. Hier konnte man auf persönlicher Ebene das Gespräch mit unserem MP und dem Innenminister führen und dann unbeschwert durch die Nacht nach Hause fahren. Bruchsal – so wurde noch während des Podiumsgesprächs unmissverständlich dargelegt – zählt in der Landeshauptstadt nicht zur Pampa.

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