Die dunkelste Stunde

Ein Geschichtsdrama in dessen Zentrum die Frage steht, wie England mit der katastrophalen Niederlage seiner Armeen im Mai 1940 in Frankreich umgehen soll. Auf heutige Verhältnisse übertragen ist die Sache klar: Verhandlungen mit den Deutschen. Gesprächskanäle sind bereits nach Italien zu Mussolini geknüpft. Es gibt für England dem Anschein nach keine Möglichkeit mehr, die Invasion der Insel zu verhindern. Für Verhandlungen fehlt lediglich noch die Zustimmung des englischen Premiers. Obwohl dieser die Lage nicht verkennt, weigert er sich in Verhandlungen einzuwilligen. Churchill wird gezeigt, wie er vermutlich war: im persönlichen Umgang launenhaft, manchmal unsicher aber in der Politik standhaft. Man kann es auch stur nennen. Er tut nicht, was heute zumindest in Deutschland als Ausweis höchster Staatskunst und als alternativlos gilt: Verhandeln, im Gespräch bleiben, Dialog auf Augenhöhe, Nachgeben, Kompromisse aushandeln.

Er tut nicht, was Hitler erwartet hatte, nämlich eine humanitäre Lösung für England zu erbitten. Hitler war sich sicher, dass Demokratien nicht in der Lage sind sich gegen Bedrohungen aufzulehnen, solange die Möglichkeit besteht die Sache auf angenehmere Weise zu regeln. Heute hätte er natürlich Recht, und er hätte vermutlich auch damals Recht behalten, wenn es nicht diesen englischen Sturkopf gegeben hätte.

Im Kino wirkt dieser Anprall von Patriotismus geradezu gespenstisch, unwirklich, vollkommen aus unserer Zeit gefallen. Churchill und anscheinend ein Großteil des Volkes sind bereit zu kämpfen, wenn es sein muss von Haus zu Haus. Niemals aufgeben. Niemals, auch wenn der eigene Untergang klar vor Augen steht. Ich denke allen Zuschauern an diesem Abend ging es ähnlich. Man weiß gar nicht, ob man das gut finden soll. Es beschleicht einem als Deutscher ein nie gekanntes Gefühl, das man archaisch nennen könnte: für seine Ideale, für „das Eigene“ für seine Heimat einstehen! Für das, was man als richtig erkannt hat zu kämpfen und zu sterben. Dabei klug zu sein und aufrichtig. Aber niemals das Ziel aus den Augen zu verlieren: Die Barbarei darf niemals triumphieren.

Kolonovski über Churchill

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