National – International

Im Lande starten wieder wie jedes Jahr die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“. mit weit über 1700 Veranstaltungen. Wie „International“ diese Wochen tatsächlich sind, kann ich nicht beurteilen. Tue ich der Türkei Unrecht, wenn ich vermute, dass es dort diese Wochen gar nicht gibt? Oder werden die Kriegshandlungen während dieser beiden Wochen gegen die Kurden in Syrien eingestellt, weil es sich bei den Kurden um eine andere Ethnie handelt? Veranstaltet man in diesen Wochen Ausstellungen, mit Kinderbildern die den Genozid an den Armenier nachempfinden, Berichte von Zeitzeugen? Schwer vorstellbar. Und beteiligt sich Südafrika, wenn es gerade dabei ist, Land Bauern zu entreißen, weil diese eine andere Hautfarbe haben?
Was mich an den deutschen Wochen gegen Rassismus nachdenklich macht, ist ihr Propagandacharakter. Vielleicht ist man ja blind, wenn man schon immer hier lebt, so dass man gar nicht mehr das Typische einer Mentalität erkennen kann. Aber ich habe den Eindruck, dass sich unser Staat in der Vergangenheit keine weltanschaulichen Kampagnen geleistet hat. Soweit ich weiß, haben „wir“ in der BRD immer mit einer gewissen Überheblichkeit auf die staatlich verordneten Themenwochen herabgeblickt, wie sie in der DDR üblich waren. Das Bemühen der Regierenden dort war überdeutlich ihren Staatsbürgern Denkvorgaben zu machen, festzuklopfen was per se richtig oder falsch ist. „Unsere“ Verachtung bezog sich darauf, dass der Staat seinen Bürgern keine Ideologie aufdrücken darf. Der Staat hatte sich aus weltanschaulichen Denkvorgaben herauszuhalten. Heute ist das anders.
Damit diese fundamentale Wendung im Verständnis unserer Verfasstheit heute niemanden so richtig zum Bewusstsein kommt, ist vermutlich das positiv besetzte „INTERNATIONAL“ verantwortlich. Wären es „nationale“ Wochen würde die Bevormundung der Politik und der weltanschaulichen Interessenverbände deutlicher werden. Mit dem Trick „International“ besteht der Anschein, dass in Japan, im Iran, in Swasiland Wochen gegen Rassismus zelebriert werden. Möglich – aber ich glaub es nicht.
Wenn unsere staatlichen Instanzen, nahezu übergangslos das bisherige Fundament, der Nichteinmischung in weltanschaulichen Fragen verlassen und offen Propaganda betreiben, was ist die Ursache? Gab es ein starkes Aufflackern von Rassismus in diesem Land? Wurden in Büchern, Filmen, philosophischen Debatten, Theaterstücken, Liedern, ein Deutschtum gefeiert verbunden mit Abwertung Menschen anderer Herkunft? Gab es eine Stimmung in unserem Land, die das „Arische“ als die wertvollste Rasse im Völkergemisch hervorhob und voller Verachtung auf andere Rassen herabschaute? Ich konnte und kann das nirgendwo feststellen! Und wenn ich mich frage, ob ich Rassisten kenne, dann fällt mir höchstens meine Mutter ein. Sie mochte keine Farbigen. Vor allem keine Marokkaner. Sie hatte als Mädchen den Einmarsch französischer Truppen am Kriegsende erlebt. Darunter waren auch Soldaten aus den ehemaligen Kolonien. Ob da „etwas“ vorgefallen ist, hat meine Mutter nie gesagt. Aber ihre Abneigung war da, jedoch nie in irgendeiner Weise aggressiv. Nie hätte sie einen anderen Menschen aufgrund seiner Hautfarbe herabgewürdigt. Ich kann sie aber nicht mehr zu den Wochen gegen Rassismus schicken um ihre „Vorurteile“ zu bearbeiten. Sie hat mögliche „Ereignisse“ – wie das heute in den Medien heißt – mit ins Grab genommen.
Es gab die NSU Morde. Nach allem was man weiß, war die Tätergruppe sehr klein. Sie bestand aus 3 Personen, von denen sich zwei selbst gerichtet haben und darüber hinaus ein kleines relativ überschaubares Umfeld. Denkt man an die RAF Zeit, so war das Umfeld weitaus größer und fand Widerhall bis hinein in intellektuelle Kreise (Satre). Wurden damals „Internationale Wochen gegen Internationalismus“ ausgerufen und jährlich zelebriert?
Weshalb hat dieses Land das weltanschaulich neutrale Fundament, das 70 Jahre Konsens war über Bord geworfen und führt nun einen Kampf gegen eine Gefahr, die es in diesem Land gar nicht gibt?
Ich habe nur ein paar Vermutungen: Das „Deutsche“ wollten wir sowieso hinter uns lassen. Es gilt als spießig, unlocker, verbiestert, arbeitsbesessen. Also, vollkommen uncool. Diese Tugenden passen nicht in die moderne Konsumwelt, also weg damit und einen internationalen Citoyen geschaffen. Aber niemand hatte damit ein Problem. So lange Menschen aus Europa, vor allem aus den südlichen Ländern Europas nach Deutschland kamen, wurden sie herzlich aufgenommen. Gerade die jungen Deutschen mochten die lockeren fröhlichen Menschen aus dem Süden. Sie reisten später in ihre Länder und lernten fleißig deren Sprachen.
Die damals jungen Leute, sind heute in den entsprechenden Positionen. Sie sehen heute eine gewisse Skepsis gegenüber der Einwanderung und übertragen ihre positiven Erfahrungen mit den damaligen Gastarbeitern aus Südeuropa auf Einwanderer mit einem außereuropäischen Wertegerüst. Sie möchten ihre positiven Erfahrungen den Deutschen mitgeben. Vielleicht daher so viele Workshops in der Art: „Töpfern gegen Rassismus“?
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er möchte auch glauben und Recht haben. Die Zurückhaltung in weltanschaulichen Fragen, die sich die alte BRD auferlegt hatte, hinterließ ein Vakuum. Nachdem der Kommunismus in sich zusammengefallen war, die BRD ihren Antipoden verloren hatte, stellte sich eine gewisse Leere ein. Jetzt fehlte eine Rahmenerzählung. Das vereinte Deutschland konnte sich – angesichts der Katastrophen seiner jüngeren Geschichte – auf keine genuin positive Erzählung einigen. Daher machte es, auf typisch deutsche Art, das Gegenteil daraus. Eine Anti-Erzählung. Deutsch soll sein, was nicht Deutsch ist. National soll sein, was nicht National ist. Grenzen braucht es nicht mehr. Das „Eigene“ soll sich über das „Fremde“ definieren und dann auflösen.
Ein anspruchsvolles Programm! Wir schaffen, was uns ausmacht – und für das die restliche Welt im Allgemeinen Hochachtung empfindet – ab und lösen uns in einer (vollkommen fiktiven) Weltkultur auf. Daher braucht es keinen reellen Rassismus, um die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ aufzulegen. Ziel ist nicht die Bekämpfung von etwas, dass es gar nicht mehr in diesem Lande gibt, sondern jegliche Abgrenzung gegenüber anderen Wertvorstellungen und Haltungen zu beseitigen. Die einfache Wahrheit, dass auch Menschen andere Weltgegenden durchaus Rassisten sein können, wird ausgeblendet. Vielmehr wird Deutschen, die an Hand von Fakten auf diese Tatsache verweisen, üble Motive unterstellt: sie seien Grunde ihres Herzens Rassisten! Der Abwehrbiss trifft auch Menschen, die gar nicht  aus Deutschland stammen, den Verhältnissen in ihrer Heimat entflohen sind und warnen wollen.
Den Deutschen wird es letztlich gelingen, sich als eigenes Volk aus der Gemeinschaft der Völker zu verabschieden. Dies geschieht aufgrund einer falschen Prämisse: Das Gegenteil von Böse muss nicht immer gut sein. BRD und DDR haben unentwegt auf die bösen 12 Jahre unter Hitler gestarrt, die Menschen waren von dieser Zeit so gefangen, dass es Konsens geworden ist, die NS-Jahre als das schlechthin Böseste aller Geschichte zu „idealisieren“. Und da der Nationalsozialismus eine Überhöhung der Nationalstaatlichkeit zelebrierte, gilt als das beste Gegengift die Abschaffung jeder Nation, zumindest der Deutschen. Da der NS-Staat die Überhöhung des „Deutschen als allein kulturschaffender Rasse“ feierte, finden wir unser Heil in einer Nivellierung von allem was man als „Deutsch“ empfinden könnte.
Daher feiern wir die Reihen fest geschlossen und allzeit bereit die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“. Widerspruch wird nicht geduldet.

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