Dann wird zurückgeschlagen…

Der türkische Außenminister Cavusoglu lobt den guten Dialog mit dem deutschen Außenminister Sigmar Gabriel. Er erwartet „ein viel besseres Jahr 2018, denn beide Seiten seien bereit, die Beziehungen zu normalisieren.“ (FAZ 3.01.18, S.2)

Im „alten Jahr“ wurden der Bundesregierung „Faschismus“ vorgeworfen. Deutsche Staatsbürger werden willkürlich in türkische Gefängnisse gesteckt und Bundestagsabgeordnete wurde der Besuch von deutschen Soldaten in der Türkei verweigert, so dass sich die Regierung gezwungen sah, den Stützpunkt vom NATO Partner abzuziehen und nach Jordanien zu verlagern.

Keine Kleinigkeiten also. Aber jetzt – obwohl sich an der Sachlage nichts geändert hat, und obwohl sich niemand in der türkischen Regierung für den Faschismusvorwurf entschuldigt hat, – soll alles vergessen sein. So redet jemand, der für seinen Gesprächspartner nur Verachtung übrig hat. Das ist wie auf dem Schulhof: Der Angreifer hat im Moment keine Lust auf Streit, also sagt er Sätze, die sein Opfer zuvor als Unterwerfungsgeste von sich gegeben hat: „Dialog, Freundschaft, Gesprächsbereitschaft, gegenseitiger Respekt, auf Augenhöhe…“, also genau die Floskeln, die unsere gewählten Repräsentanten unablässig in die Medienkanäle spülen. Die Islamisten in Ankara, haben verstanden wie der Hase läuft. Wenn es ihnen in den Kram passt, dann schlagen sie auf die haltungslos gewordenen Deutschen ein. Wenn sie der Meinung sind, jetzt sollte wieder Geld aus Europa fließen, dann werden einfach jene Floskeln benutzt, die heutzutage als Kernkompetenz einer erfolgreichen deutschen Politik verstanden werden.

Damit alle kapieren und damit auch dem heimischen Publikum in der Türkei deutlich wird, wer auf dem Schulhof das Sagen hat, legt Cavusoglu nach: „Wenn Deutschland sich einen Schritt auf uns zubewegt, geht die Türkei zwei Schritte auf Deutschland zu. Das ist keine Schwäche, das kommt von Herzen. Aber wenn Deutschland die Türkei bedroht, wird die Türkei zurückschlagen.“

Wir merken uns: Für die Türkei ist ein guter Dialog, wenn man vor dem Dialog mit „Zurückschlagen“ droht. In Berlin wird jetzt fieberhaft darüber nachgedacht, was die Türkei als Bedrohung auffassen könnte und es wird alles getan werden, um auch nur den Anschein eines Rückgrats zu vermeiden.

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