Stammesrecht an der Weinstraße

Mia ist tot. Erdolcht von einem Schutzsuchenden aus Afghanistan. War diese Tat ein Beziehungsstreit unter Teenagern oder ein Zusammenprall der Kulturen zum Nachteil von Mia und ihrer Familie?
Herr Dexheimer ist Experte. Bei Focus Online plädiert er eindeutig für das Erste https://www.focus.de/politik/deutschland/messerattacke-in-kandel-psychologe-ueber-mord-an-15-jaehriger-junge-afghanen-sind-in-gewalt-aufgewachsen_id_8138262.html.
Herr Dexheimer betreut minderjährige Flüchtlinge aus Afghanistan und sieht gerade bei ihnen – im Gegensatz zu manchen jungen Männern aus Schwarzafrika – Respekt und Achtung vor den deutschen Frauen. Das sei kulturbedingt, denn Frauen genössen am Hindukusch größten Respekt.
Das überrascht! In allen islamischen Ländern haben sich Frauen streng an die ihnen zugewiesenen Rollen zu halten. Afghanistan bildet keine Ausnahme, sondern ist eines der Länder, in denen Frauen am öffentlichen Leben überhaupt nicht teilnehmen. In den knapp zwei Wochen, in denen ich Mitte der 70iger in diesem Land war, kann ich mich nicht erinnern auch nur eine Frau gesehen zu haben, wenn man die Säcke, die ab und an durch die Straßen liefen, außer Acht lässt. Man konnte vermuten, dass sich hinter dem Sehgitter und dem schwarzen Überwurf eine Frau versteckt. Gesehen hat man sie nicht! Frauen sind in allen öffentlichen Belangen nicht existent. Mag sein, dass es inzwischen leichte Lockerungen gibt, aber dass Frauen Achtung genießen? Vielleicht werden Mütter, wenn sie eine halbe Schulklasse von Jungs zur Welt gebracht haben und alle häuslichen Pflichten gewissenhaft und ohne Murren erfüllen, anerkannt. Aber es ist die gleiche Anerkennung, die ein Bauer für eine Kuh aufbringt, die ordentliche Milch gibt, Kälber zuverlässig wirft und keine Arztkosten verursacht.
War also die Bluttat ein Zusammenprall der Kulturen? Ich meine ja. Freundschaften zwischen Jungen und Mädchen welche Zärtlichkeiten und sogar Sexualität mit einschließt sind in allen islamischen Ländern nicht vorgesehen. Sie gelten als todeswürdiges Vergehen daher finden sie nicht statt.
Die Ehefrau eines jungen Mannes wird von seiner Familie ausgesucht und bezahlt. Der Familie des Mädchens obliegt es streng darauf zu achten, dass das Mädchen keinerlei Gelegenheit hat, einen Jungen kennenzulernen. Junge Menschen können sich auch im Islam verlieben. Das kann zu Schwierigkeiten führen. Undenkbar ist eine sexuelle Beziehung eines Mädchens zu einem Mann außerhalb der Ehe. Sie muss als Jungfrau in die Ehe gehen. Ansonsten ist sie nicht zu verkaufen. Schlimmer noch, die Ehre der Familie ist beschmutzt, denn die Familie konnte ihr weiblichen Mitglieder nicht im Zaun halten.
Das ist – außer für Experten vom Focus – allgemein bekannt und in allen islamischen Gesellschaften selbstverständliche Regel. Außerdem ist es weniger kompliziert, als unsere Begegnung der Geschlechter: Das Mädchen hat zu gehorchen, Freundschaften gibt es nur gleichgeschlechtlich. Das Mädel wird verheiratet. Dann hat sie ihrem Mann zu gehorchen und Jungs in die Welt zu setzen. Wozu sollte sie noch gut sein? Sicherheit, Einkäufe, Entscheidungen treffen, für den Unterhalt sorgen, Verträge abschließen, die Familie nach außen hin vertreten, alles obliegt dem Mann! Wo soll hier Respekt für Frauen entstehen? Auf welchem Planeten lebt Herr Dexheimer? Will er die Pfälzer veräppeln? Will er ihnen sagen, die Paschtunen, mit die stolzesten Krieger, die dieser Planet hervorgebracht hat, seien im Grunde nichts anderes als Dornfelder schlürfende Schunkelfreunde?
Für Abdula – der 15-jährige unbegleitete Schutzsuchende – gehörte Mia ihm. Er hatte Anrecht auf das Mädchen, auch wenn die Ehe noch nicht geschlossen war. Sie hatten Zärtlichkeiten ausgetaucht. Wenn sie sich danach von ihm lossagt, hat sie das Recht auf Leben verwirkt. In seiner Heimat ist der Mord an ihr kein Delikt, das von Polizei und Staatsgewalt geahndet wird. Weshalb sollen die sich in einen Sachverhalt einmischen, der offensichtlich ist und vollkommen privater Natur? Mia hat sich unehrenhaft verhalten. Ihr gebührt der Tod. Das ist für alle einsichtig. Im besten Fall wird noch für Mias Vater ein Blutspreis ausgehandelt. Da das Mädchen sich offensichtlich nicht unter Kontrolle hatte, wird er aber gering ausfallen. Die Kuh ist auf das Nachbarfeld gerannt und wurde dort geschlachtet. Kann passieren. Gefängnis oder gesellschaftliche Ächtung ist für Abdula nicht vorgesehen.
In dieser „Geschichte“ gibt es also nur Verlierer. Abdula, der sich seinen Normen entsprechend vollkommen korrekt verhalten hat und jetzt dafür ins Gefängnis muss. Mia, die sich dem großen Gleichheitsversprechen gemäß verhalten hat und jetzt nicht mehr lebt. Die Familien der beiden jungen Menschen, die sich jetzt trösten müssen. Wobei die Familie von Abdula wahrscheinlich weitere junge Männer bereithält. Schließlich die deutsche Gesellschaft, die erneut wegen einer Bluttat mit Schutzsuchendenhintergrund verunsichert ist.
Gibt es also keinen Schuldigen? Nahm das Schicksal einfach seinen Lauf? Normalerweise gibt es Grenzen zwischen Kulturen. Diese Grenzen sind in Deutschland abgeschafft. Jeder ist willkommen. Jetzt ist es den Menschen selbst überlassen, zu schauen, wie sie mit sich und anderen kulturellen Vorstellungen zurande kommen.
Die Schuldigen? Unsere Regierung, die die Menschen, die schon länger hier wohnen den Zusammenprall zumutet. Die Medien, die solche „Experten“ wie Herr Dexheimer aufbieten und die unendliche Naivität der Deutschen.

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