Türkei auf dem Balkan

Neben der albanischen Flagge, die man nicht sehr häufig sieht, ist mir hier und da die türkische Fahne aufgefallen. Gestern hing sie an einem großen Elektrizitätswerk, das wahrscheinlich den ganzen aufstrebenden Touriort Sarande mit Strom versorgt. Die Türkei tritt hier als Entwicklungshelfer auf. Unterstützt also  mit Geld und Know-how ihre Brüder im Glauben in Albanien. Warum nicht?

Elektrowerk
E-Werk in Südalbanien

In Sarajewo war ich in einem Dokumentationszentrum für die Gräueltaten während des Krieges. Das Ganze ist in einem Wohngebäude untergebracht, wo man an der Haustür klingen muss um Einlass zu finden. Nach Bezahlen, von 10 Bosnischen Mark, darf man in sehr engen, schwarzen Räumen, Bilder und Videoaufnahmen der Verbrechen ansehen. Ich fand das Ganze widerlich. Um es vorneweg zu sagen: Im diesem Krieg, der nach dem Tode Titos einsetzte – und dessen Bruchlinien im Wesentlichen entlang der Religionszugehörigkeit verliefen – halte ich die Bosnier für die Bevölkerungsgruppe, die am meisten Opfer wurde.

Dennoch in dieser Ausstellung, werden die Bosnier ausschließlich als Opfer dargestellt. Und zwar als unschuldige Opfer der serbischen Gräuel – den Anteil, den die Kroaten hatten (und die Montenegriner) blieb – soweit ich es sehen konnte – unerwähnt

Ich fand es zu einseitig. Was mich am meisten verdutzte, dass Erklärungen und Bildunterschriften in drei Sprachen gehalten sind: serbo-kroatisch, englisch und türkisch. Den Herrn am Eingang fragte ich, weshalb türkisch? Er: als man die Ausstellung geplant hatte, fand sich zufällig jemand, der türkisch konnte, und deshalb, sei es jetzt türkisch. Ich war etwas verdutzt. Ob das nicht auch mit Spenden der türkischen Regierung zu tun haben könnte? Das verneinte er nicht ganz. Und ob er in der Türkei eine ähnliche Ausstellung benennen könnte, in der an die Armenier und Christen gedacht wird ? Klar eine rhetorische Frage. Jeder weiß: undenkbar! Deshalb stört mich das auch: dass Mitten in Europa die Türkei gegen Christen hetzt, denn in einigen Bilderklärungen, wurde die Opfer pauschal als Müselman benannt, obwohl Opfer auch christliche Namen hatten. So passt es auch zur Konzeption, dass kein Wort darüber verloren wurde, wer diesen unsäglichen Krieg beendete.

Im Zuge der „Entfremdung“ zwischen Deutschland und der Türkei, erfährt man plötzlich ein paar Häppchen, die man bisher nicht lesen durfte: so stellte die Türkei über die Jahre hinweg „hundertausende“ diplomatischen Hilfspässe aus. Die Türken brauchen für die Einreise nach Europa ein Visum. Aber eben nicht mit einem Diplomaten-Pass. Das Visum kostet Geld. Gute Freunde der AKP und von Erdogan erhalten auf die Schnelle, den diplomatischen Hilfspass. Eine genaue Zahl der ausgegebenen Pässe sei – laut FAZ – nicht bekannt. Aber man überlegt sich neuerdings in Berlin, ob man diese Praxis auf den Prüfstand stellen will.

4,5 Milliarden Euro soll die Türkei zur Vorbereitung des EU-Beitritts zwischen 2014 und 2020 erhalten. Wieviel von dem Geld bereits geflossen ist, sei dahingestellt. Jedenfalls hatte ich in der Türkei Projekte mit den blauen EU-Sternen gesehen und mich gewundert. Jetzt weiß ich, woher das kommt. Und – die Türkei hat Geld übrig, um hier auf dem Balkan, als Spender aufzutreten. Geld übrig, um zu zeigen, wie effektiv und ökonomisch, wie menschenfreundlich und uneigennützig eine Regierung ist, die sich den Regeln und Geboten, eines Beduinen aus dem 6. Jahrhundert unterwirft. Europa gibt Geld – also im Wesentlichen der deutsche Steuerzahler – damit die Türkei Werbung für den Islam in Europa betreibt.

Burunti Albanien
Drüben ist schon Griechenland.

 

 

 

 

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